N.L. Chrestensen
Samen- und Pflanzenzucht seit fünf Generationen

1867 gründete der dänische Gärtnergehilfe Niels Lund Chrestensen eine Kunst- und Handelsgärtnerei in der Marktstraße in Erfurt. Bereits fünf Jahre später verteilte er seinen ersten Versandkatalog für "Gemüse-, Feld-, Gras-, Wald- und Blumensämereien". Rasch entwickelte sich das Unternehmen zu einem leistungsfähigen und innovativen Zucht- und Handelsbetrieb mit weltweiten Aktivitäten.
 
Anlässlich der Weltausstellung 1893 in Chicago wurde das Unternehmen mit der Kolumbus-Medaille für neuartige Züchtungen und Angebotsformen gewürdigt. Außerdem war Niels Lund Chrestensen 1908 Mitbegründer des heute weltumspannenden Fleurop-Dienstes. Daran schlossen sich bis heute mehr als 1.000 weitere nationale und internationale Auszeichnungen an.
 
Die Firma Niels Lund Chrestensen KG war seit 1930 in bedeutendem Umfang an der Entwicklung der Hybridzüchtung beteiligt. Aktivitäten mit modernen Zuchtmethoden setzen sich in den heutigen Tagen im In-Vitro-Zuchtverfahren fort.
 
1972 erfolgte die Verstaatlichung durch die ehemalige DDR und nach der politischen Wende 1990 eine erfolgreiche Reprivatisierung. Nach Modernisierung und wirtschaftlicher Umgestaltung hat sich das Unternehmen wieder erfolgreich im grünen Markt etabliert.

Die Geschichte der Firma N.L. Chrestensen -
Die wichigsten Etappen in der Übersicht.

1862

 
Alles auf Anfang - Start in der Blumenstadt Erfurt

Der Ruf einer dynamisch wachsenden Gartenbaumetropole zog den jungen dänischen Gärtner Niels Lund Christensen nach Erfurt. Die jahrzehntelangen Zerwürfnisse zwischen Dänemark und dem preußischen Königshof prophezeiten ihm damals keine wirklichen Perspektiven in seiner Heimat, deren Infrastruktur im Vergleich zum fortschrittlichen Deutschland zudem recht gelähmt war.

Es war das Jahr 1862, als Erfurt sein neues Zuhause wurde. Kurz darauf arbeitete der 22-Jährige als Gärtner in der Firma der Gebrüder Born. Hier sorgte der junge Däne recht bald mit ausgefallenen Blumengebinden für Aufsehen.

1872

 
Schachzug im Marketing

Alles auf einen und vor allem im Blick: Der erste Katalog aus dem Hause N.L. Chrestensen. 1872, fünf Jahre nach der Firmengründung, war er da: Kundenfreundlich im Angebot, gepaart mit einer für damalige Verhältnisse perfekten Präsentation des Unternehmens. Ein Schachzug im Marketing. Ihm sollten noch viele Exemplare folgen.

Was mit einem “Hauptkatalog über Gemüse-, Feld-, Gras-, Wald- und Blumen-Sämereien, Pflanzen, Knollen etc. für das Jahr 1872“ begann, kann aktuell und traditionell auf stolze 145 Katalogjahre zurückblicken.

1884

 
Pionierarbeit: Erste Telefonanlage in Erfurt

Es kommt einer Sensation nahe. Denn die Möglichkeiten moderner Kommunikation wurden mit echter Pionierarbeit in Erfurt mit Leben erfüllt. Besser gesagt, die englische Telefonie. Das nennt man echten Zeitgeist.

N.L. Chrestensen staunte bei einem geschäftlichen Termin 1874 in London darüber, dass mittels Sprechrohr und einer Höreinrichtung Bestellungen aufgegeben wurden. Das wollte der Unternehmer auch für seinen Betrieb nutzen. Schließlich hatte er immerhin 25 Minuten Weg von der Gärtnerei in der Erfurter Aue bis hin zum Geschäft in der Marktstraße.

Kurzerhand wurde investiert und 1884 die Fernsprechverbindung offiziell in Betrieb genommen. Der Gärtner Herr Zimmermann war der erste Gesprächspartner in der Aue, N.L. Chrestensen bestellte bei ihm Blumensträuße in die Marktstraße. Und tatsächlich! Nicht einmal 30 Minuten später war die Ware da. „Fast wie in London“, soll der Firmenchef Chrestensen damals gelächelt haben. Er war seiner Zeit voraus. Erst drei Jahre später begann die Reichspost ein Telefonnetz in Erfurt zu verlegen.

1892

 
N.L. Chrestensen - der Wissenschaftler

"Wissen macht mehr" war das Motto des Firmengründers. Mit ganzer Leidenschaft vervollkommnete N.L. Chrestensen sein Wissen über den Gartenbau, zum Beispiel an der Universität Berlin Dahlem (heute die Freie Universität Berlin). Als Gasthörer engagierte er sich in der Gartenbaugesellschaft Berlin und wurde dafür im Oktober 1892 mit dem hoch angesehenen „Werth’schen Zeugnis“ (Foto) geehrt.

Auf der ständigen Suche nach Neuheiten, bereiste der Wissensdurstige ferne Gegenden wie die Pampa in Südamerika oder botanisierte um die Wachsenburg und in den Wäldern bei Kranichfeld.

Es gelang ihm, Partner für seine Ideen zu begeistern und diese mit ihm umzusetzen. Bis in die 70er Jahre zeugten riesige Überseekisten auf dem alten Speicher in der Erfurter Marktstraße von seinen Aktivitäten.

1902

 
Erholung ohne Marktanhängsel

Heute wie damals: Verbrauchermessen sind ein Hit. So auch die Gartenbauausstellung im September 1902 in Erfurt. Auf einer Ausstellungsfläche von mehr als 30.000 Quadratmetern ging es den Veranstaltern wie N.L. Chrestensen weniger um Reputation als um Präsentation. Das war neu! Jegliche Prämierung ausgeschlossen.

Der weltweit hervorragende Ruf der Blumenstadt sollte weiter manifestiert werden. Die gastgebenden (ausnahmslos!) Herren verstanden eben auch schon was von Öffentlichkeitsarbeit. So hieß es u.a. im Prospekt: „... kein Wettbewerb um Medaillen und Diplome..., sondern ... ein friedliches, aber überwältigendes Bild vom Stande des Erfurter Gartenbaues vereinigen...“.

Auch werden „alle marktähnlichen Anhängsel, die mit dem Gartenbau nichts gemein haben, sorgfältig ferngehalten“! Aber: Für „die Erholung der ‚Schauensmüden‘ wurde im sogenannten Kaiser-Wilhem-Garten (Foto) „hinreichend Sorge getragen“.

1906

 
Ehrung auf Dänisch

Was für eine Auszeichnung! Ein Ritterorden „...für besondere Leistungen in Kunst, Wissenschaft oder Wirtschaft für eine Tätigkeit im Interesse Dänemarks“.

Seine Heimat hatte ihn nicht vergessen: Niels Lund Chrestensen erhielt im Dezember 1906 vom dänischen König Frederik II. den Ritterorden „Danneborg“. Eine besondere Auszeichnung, die auch heute noch Dänen und Ausländern für außerordentliche Verdienste überreicht wird.

Dieser Orden ging übrigens noch einmal in die Hände der Chrestensens. Denn 2009, also mehr als 100 Jahre später, wurde Niels Lund Chrestensen aus Erfurt, Urenkel des Firmengründers und ehemaliger Geschäftsführer des Traditionsunternehmens, ebenfalls mit dieser Ehrung bedacht. Was für ein Zeichen!

1908

 
Ein Strauß gelber Rosen – die Idee „Fleurop“

Blumen werden wie zu Ostern gerne verschenkt oder verschickt. Mit dieser floralen Überraschung hatte auch einst Niels Lund Chrestensen zu tun. 1908 testete er gemeinsam mit dem Gärtnermeister und Blumenladenbesitzer Max Hübner aus Berlin eine neue und vor allem bahnbrechende Art des Blumenversands.

Ein Strauß mit 20 gelben Rosen wurde dabei zur Vorlage. Dieser sollte an die Tante eines jungen Mannes mit persönlichen Grüßen zum Geburtstag überbracht werden, ohne dass dieser dafür extra zu ihr reisen musste. Alle entsprechenden Daten wurden dafür in Erfurt aufgenommen und per Telefon nach Berlin übermittelt. Dort wiederum stellte man den Strauß zusammen und überbrachte ihn der Jubilarin. Perfekt.

Noch im September des gleichen Jahres wurde der Blumen-Schenk-Dienst ins Leben gerufen, zu dessen Gründungsvätern Niels Lund Chrestensen gehörte. Für den Transport der Waren innerhalb Erfurts wurden übrigens sechs dänische Pferde geordert; der ganze Stolz des Unternehmers. 1931 erhielt der mittlerweile weltumspannende Service den Namen „Fleurop“.

1913

 
Rückblick auf ein erfolgreiches Leben

Niels Lund Christensen, später "Chrestensen" durch falsche Schreibweise im Personalpapier in Erfurt, erblickte am 08. Juni 1840 in Aarhus, Dänemark, das Licht der Welt. Zum sogenannten „Vesterkow-Haus“, ein Fachwerk mit Lehm verputzt und Stroh gedeckt, gehörten etwa 4,4 Hektar Land. Hier verlebte er mit Eltern und Geschwistern seine Kindheit und Jugend. Der offene Herd mit Rauchfang lockte oft mit Eierkuchen, die Milch kam von zwei Schafen, Brot wurde selbst gebacken.

Für ausreichend Essen war immer gesorgt, nur pünktlich mussten die Kinder zu Tisch erscheinen, sonst war der Ärger hausgemacht. „Wenn ich durch alle Schwierigkeiten des Lebens gekommen bin, habe ich es nur meiner Mutter Erziehung zu verdanken“, resümierte vor langer Zeit einmal sein Bruder Rasmus Chrestensen.

Niels Lund zog es mit 19 Jahren nach der Lehre als Gärtner in der Kunst- und Handelsgärtnerei Chr. Jensen in Aarhus ins fortschrittliche Deutschland, konkret nach Erfurt. Damit begann die unternehmerische Erfolgsgeschichte, die bis weit über den Tod von Niels Lund Chrestensen im Jahre 1913 hinaus bis heute anhält.

Foto: Kurz nach dieser Aufnahme im Herbst 1913 verstarb Niels Lund Chrestensen.

um 1920

 
Geheimnisse am Stammtisch

Vernetzung war schon in der Zeit um 1900 ein Thema. Natürlich eine nutzbringende für alle Seiten. Und so gründeten einige Erfurter Gärtner, unter anderem aus der Firma N.L. Chrestensen, einen Stammtisch, selbstredend in einem Gasthof.

In zwanglosen Gesprächsrunden wollten dort die gestandenen Fachleute ihre Erfahrungen und ihr Wissen austauschen. Im „Schwarzen Adler“, im Volksmund „Dreckscher Vogel“ genannt, trafen sich die Samenzüchter und die Gemüsegärtner aber an getrennten Wochentagen.

Eine besonders hohe Ehre war es für ausgewählte Lehrlinge, zu diesen Gesprächen eingeladen zu werden. Die Meister weihten sie dann in die Geheimnisse der Gärtnerkunst ein. Schließlich sollten sie den „grünen Daumen“ einmal erben. Damals wie heute: Eine effektive Form der Ausbildung.

Foto: Eine Postkarte um 1920, die den Gärtnerstolz präsentiert.

1920er

 
Wappen adé

Das endgültige „Aus“ für die Monarchie in Deutschland 1918 ging einher mit der Abdankung von Kaiser Wilhelm II. Und wie es der Zufall so will, ruinierte ausgerechnet die jüngste Tochter von Carl Chrestensen die alten Wappen der Fürstenhäuser (Foto), die einst die Toreinfahrt des Geschäftshauses des Hoflieferanten in der Erfurter Marktstraße zierten.

Als symbolischer Akt für eine neue Epoche waren die schweren Teile bereits abgeschraubt und im Hof gelagert worden. Die 5-jährige Elfriede spielte und turnte auf diesem Stapel, bis dieser ins Wanken geriet. Das Kind stürzte und wurde leicht verletzt. Das zog die endgültige Beseitigung der Wappen nach sich. Sie landeten damit sozusagen für immer auf dem Scheiterhaufen der Geschichte.

1947

 
Jubiläum noch ohne Speck und Eier

Was für ein 80. Firmengeburtstag im Jahre 1947! Aus dem weltweit bekannten Erfurter Unternehmen war eine kaum über regionale Grenzen hinaus bekannte Gärtnerei geworden. Doch wie immer in stürmischen oder besser nicht blumigen Zeiten, gab der Familienbetrieb nicht auf. Zwar hatte man noch nicht wieder eine Filiale in London, aber eine Zweigstelle in Weimar konnte bereits eröffnet werden.

Ein Erfolg! Und das sah auch die Belegschaft so, die das zur Feier des Firmenjubiläums deutlich sagte: „Wir wollen ja auch noch unser Hundertjähriges feiern, aber dann mit Wurst, Speck und Eiern!“

1965

 
Prominenter Werbeträger

Ideenreiches Marketing gehörte bereits beim Firmengründer zur Unternehmenskultur. Diese erfolgreiche Strategie beherzigten die nachfolgenden Generationen, so auch der sehr kreative Niels Chrestensen. Als der erste Mensch im Weltall 1961 Erfurt besuchte, bekam eine Dahlien-Neuzüchtung den Namen „Juri Gagarin“ und wurde dem sowjetischen Kosmonauten gleich persönlich übergeben. Ein weiterer prominenter „Werbeträger“ kam 1965 in die Blumenstadt. Der „King of Jazz“ Louis Armstrong erhielt als Andenken ein Sortiment Blumensamen (siehe Foto rechts) aus dem Hause „N.L. Chrestensen“. Chapeau!

1967

 
Das 100-jährige Jubiläum

Stattliche 100 Jahre feierte im Juli 1967 das Unternehmen N.L. Chrestensen auf der Erfurter iga mit 500 Gästen, darunter viele ausländische Geschäftspartner. Tages- und Fachpresse waren an diesem außergewöhnlichen Ereignis sehr interessiert. Denn dass es eine Firma über die politischen Wandlungen der Jahre geschafft hatte, auch in der DDR noch in der privaten Unternehmung präsent zu sein, gab es nicht alle Tage.

Allerdings wurden die jahrzehntelangen Erfolge von „Chrestensen“ zwar herausgestellt, doch die Leistungen unter staatlicher Beteiligung deutlich mehr hervorgehoben. Ein Jubiläum mit Beigeschmack und der Preis dafür, den Familienbetrieb im geliebten Erfurt belassen zu haben. Denn eine Verlegung in den "Westen" kam für den heimatverbundenen Niels Chrestensen bekanntlich nicht in Frage.

1980er


Aus der Vogelperspektive

Die Luftaufnahme zeigt Produktionsflächen und Gewächshäuser des VEB Erfurter Blumensamen vor dem heute bekannten Verlauf der Bundesstraße 4 in Richtung Nordhausen.

Blumenstadt Erfurt -
Samenzucht mit Tradition.
Standort und Heimat der Firma N.L. Chrestensen

Auf den fruchtbaren Lehm- und Lößböden um Erfurt befassten sich die Mönche der Stadt vermutlich bereits vor über 1300 Jahren mit dem Anbau von Kräutern und Gemüse. Im Mittelalter verhalf der Anbau und Handel von Waid (einem Blaufärbemittel) der Stadt zu Wachstum, Bekanntheit und wirtschaftlicher, kultureller und politischer Macht.
 
Im 18. Jahrhundert entwickelte der gewerbsmäßige Gartenbau in Erfurt seine Blüte. So erschienen 1768 die ersten Handzettel als Vorläufer der späteren Samenkataloge. Im Laufe des folgenden Jahrhunderts entstanden bis heute weltbekannte Samen- und Kakteenzuchtbetriebe, unter ihnen die Firma N.L. Chrestensen.

Auch der Name "Blumenstadt" wurde in jenen Tagen auf Erfurt geprägt, was nicht zuletzt den ausgedehnten Blumenfeldern zur Samengewinnung an den Rändern der Stadt geschuldet ist. Die Stadt erlangte wachsendes internationales Renommee auf dem Gebiet des Saatgutanbaus bis die Zeit der Weltkriege die Produktion und vor allem den Export der Samen nahezu unmöglich machte.
 
In den 50er Jahren versuchte man, mit Gartenschauen die gärtnerische Tradition nach Erfurt zurückzuholen. So gründete man 1958 die Internationale Gartenbau Ausstellung Erfurt (IGA), die - mittlerweile unter dem Namen Erfurter Gartenbauausstellung (egapark Erfurt) - ein Wahrzeichen der Blumenstadt ist.

Heute findet man in Erfurt außerdem das Deutsche Gartenbaumuseum und die Erfurter Fachhochschule für Gartenbau.


Wir sind gern für Sie da.

N.L. Chrestensen Erfurter Samen- und Pflanzenzucht GmbH
Witterdaer Weg 6 | 99092 Erfurt

Tel.: 0361 / 2245-0 | Fax: 0361 / 2245-112
E-Mail: info@chrestensen.com